Leseprobe Girls wanna have fun

Jaaaaa. Nur noch ein paar Sekunden. Verzweifelt versuchte ich stillzustehen, damit der Strahl der Massagedüse sein Ziel nicht verfehlte. Seit Wochen schon hatte ich dieses Gefühl nicht mehr erlebt und hatte nicht vor, es mir jetzt, so kurz davor, entgehen zu lassen.

„Geht schon mal vor, ich komme gleich“, hatte ich meinen Freundinnen zugerufen, als die beschlossen hatten, sich an die Bar zu begeben, um einen Cocktail zu schlürfen. Die Wasserdüsen waren so eingestellt, dass sie ungefähr alle fünf Minuten für ziemlich genau ebenso lange angeschaltet waren. Ich legte den Kopf auf die Unterarme und brachte meinen Körper so dicht wie möglich an den Rand, wurde jedoch immer wieder von dem immensen Druck weggedrückt. Verdammter Mist. So würde das nie klappen. Fast verzweifelt schloss ich die Augen und konzentrierte mich auf das lustvolle Ziehen in meiner Klitoris. Wie gerne hätte ich jetzt den Stoff des Badeanzugs zur Seite gezogen und mit der Hand nachgeholfen, doch hier, in der Öffentlichkeit – nein, das traute ich mich dann doch nicht.

„Ist gar nicht so einfach, nicht wahr?“ Die leise Männerstimme kam von rechts und ohne zu wissen, ob er überhaupt mit mir sprach, drehte ich meinen Kopf und erschrak. Unmittelbar neben mir stand ein Mann und betrachtete mich lächelnd. Er war mir bisher noch nicht aufgefallen, was sicher auch daran lag, dass er bereits älter war, schätzungsweise Mitte fünfzig. Außerdem war ich seit Beginn unseres Badevergnügens damit beschäftigt gewesen, mich in meine Fantasiewelt wegzuträumen. Eine Welt, in der ich langes, blondes Haar hatte, gertenschlank war und mich vor Angeboten der Männer gar nicht retten konnte. Hier, in der Realität, war ich lediglich durchschnittlich. Durchschnittlich braunhaarig, durchschnittlich braunäugig, mit einer durchschnittlichen Figur. Nichts an mir war besonders – weder besonders aufregend noch sexy.

„Ich beobachte Sie schon eine ganze Weile und frage mich, weshalb eine so schöne Frau wie Sie ohne Mann hier ist und mit einer Wasserdüse vorlieb nehmen muss.“

Mach dich vom Acker, Alter. Die Worte schossen mir in den Sinn, doch ich sprach sie nicht aus. Stattdessen erwiderte ich seinen Blick. Er hatte gütige, dunkelbraune Augen, umrahmt von Lachfältchen und mit fast der gleichen Färbung wie meine eigenen. Sein dunkles Haar war kurzgeschnitten und an den Schläfen angegraut, genau wie sein Drei-Tage-Bart, der seinem Gesicht einen verwegenen Ausdruck gab. Gar nicht übel für einen alten Mann, dachte ich und hätte beinahe über mich selbst gelacht. Du bist gerade mal dreißig. Der Kerl ist sicher fast doppelt so alt wie du, also sag ihm, er soll sich verdrücken. Erneut jagte ein Gedankenfetzen den nächsten. Unterhalt dich doch mit ihm, was macht es schon, kämpfte mit Jag ihn zum Teufel. Der Mann schien zu ahnen, was in mir vorging, denn urplötzlich verneigte er sich höflich. „Ich wollte Sie weder erschrecken noch sprachlos machen. Eigentlich hatte ich gehofft, Ihren Namen in Erfahrung zu bringen, damit ich wenigstens weiß, wem ich einen Cocktail spendiere.“ Er stellte sich in einiger Entfernung neben mich an den Beckenrand und wartete geduldig auf meine Antwort. Schüchtern war er jedenfalls mal nicht. Ganz im Gegenteil. Er wirkte äußerst selbstsicher, ohne dabei arrogant oder überheblich zu sein.

„Bevor ich Ihnen meinen Namen verrate, sollten Sie mir erst Ihren nennen.“

Sein breites Grinsen enthüllte schöne, gepflegte Zähne und ließ ihn schlagartig zehn Jahre jünger wirken. „Ich bin Sören. Sören Stern, vom Stamme der Sterns aus Brombachtal.“

Jetzt musste ich doch lachen. „So, so, Sören Stern aus Brombachtal. Was verschlägt Sie hierher in dieses Freizeitbad?“

„Vermutlich das Gleiche wie Sie, Frau …?“

„Darsch. Kerstin Darsch, vom Stamme der Darschs aus Weinheim.“ Ich grinste ebenso breit wie er. Und obwohl er mich bei dem Versuch, mich selbst zu befriedigen, ertappt hatte, war ich nicht einmal unangenehm berührt. Was auch immer der Grund dafür war, er hatte mit seinen wenigen Worten tatsächlich das Eis zwischen uns gebrochen.

„Also, Sören, wie war das mit dem Cocktail?“ Automatisch verfiel ich in das vertrauliche du, das wir in unserer Generation fast immer und überall benutzen.

„Ah. Eine Lady, die weiß, was sie will. Na, dann komm mal mit. Lass uns nachschauen, ob wir den passenden Drink für dich finden. Deine Freundinnen werden sicher auch schon drinnen auf dich warten.“

Plötzlich hatte ich gar keine Lust mehr, den Außenbereich des Schwimmbads zu verlassen. „Mhm, ja, wahrscheinlich. Vielleicht sollten wir noch ein wenig die frische Luft genießen. Trinken können wir auch später noch etwas.“

Er lächelte wissend und nickte. „Kein Problem. Darf ich fragen, ob du öfter hierherkommst? Vielleicht an einem anderen Tag? Ich habe dich hier nämlich noch nicht gesehen. Du wärst mir mit Sicherheit aufgefallen.“

Da war es wieder, dieses merkwürdig warm-wohlige Gefühl, in das er mich hüllte. „Da könntest du recht haben. Wir sind sehr selten hier. Erstens ist der Eintritt ja nicht gerade günstig und zweitens lässt es sich nicht immer mit unseren Schichtzeiten vereinbaren.“

„Du arbeitest Schicht?“

„Ja, ich arbeite in einem Krankenhaus. Ich bin Krankenschwester.“

„Das klingt ja interessant. Und auch sehr anspruchsvoll. Das ist mit Sicherheit auch kein Zuckerschlecken oder?“

„Nein, ist es nicht. Aber ich liebe meinen Job und mache ihn sehr gerne, auch wenn die Umstände immer schlechter werden.“

„Ja, das glaube ich gerne. In den Medien hört und liest man ja immer wieder von dem Pflegenotstand, den wir in deutschen Krankenhäusern haben. Da ist das Pflegepersonal als Letztes in der Kette mit Sicherheit am meisten betroffen.“

„Ich denke schon. Zum Glück spüren wir davon in der Intensivpflege nicht so viel. Dort ist die Versorgung der Patienten noch gewährleistet.“ Ohne darüber nachzudenken, plauderte ich mit diesem mir völlig Fremden munter drauf los und fühlte mich dabei, als unterhielte ich mich mit einem langjährigen Freund.

„Was treibst du so, wenn du nicht gerade Frauen in Wellnessbädern ansprichst?“, fragte ich gutgelaunt und wartete gespannt auf seine Antwort.

„Würdest du mir glauben, wenn ich dir erzähle, dass ich Maler bin? Ich male hauptsächlich Portraits, bevorzugt in Acryl und Öl.“

„Warum sollte ich es nicht glauben? Kann man denn davon leben?“, fragte ich neugierig weiter.

„Das kommt darauf an, wie gut man ist.“ Seine Augen funkelten schelmisch, was mir sehr gut gefiel und mich reizte, mehr wissen zu wollen.

„Und? Wie gut bist du?“

„Sagen wir mal so. Ich bin gut genug, um nichts anderes tun zu müssen.“

„Aha. Ich wusste, dass mich heute noch ein begabter Künstler ansprechen wird. Es stand heute früh in meinem Horoskop“, witzelte ich und nahm mir vor, sobald ich mein Handy in den Fingern hielt, den Namen Sören Stern zu googeln.

„Na ja, weißt du, begabt und bekannt zu sein, birgt auch immer die Gefahr, sich nicht mehr frei bewegen zu können. Was noch nicht einmal das Schlimmste ist. Viel schlimmer ist es, nicht zu wissen, wer einen wirklich mag, oder wer es nur toll findet, was man darstellt.“ Er zuckte die Schultern und grinste. „Zumindest habe ich das gehört. Aber jetzt lass uns über etwas anderes sprechen. Erzähl mir lieber, weshalb eine tolle Frau wie du Single ist.“

„Woher willst du wissen, dass ich Single bin?“ Seine Worte schmeichelten mir mehr, als ich mir eingestehen wollte.

„Kein Mann, der auch nur einen Funken Verstand hat, würde sich die Chance entgehen lassen, mit dir hierherzukommen.“

Wieder wurde mir warm und in meinem Bauch begann es zu kribbeln. „Du solltest den Beruf wechseln. Ich meine, du könntest den Pinsel gegen ein Mikrofon eintauschen. Reden kannst du.“

„Mhm.“ Sören kam näher, bis nur noch wenige Zentimeter Raum zwischen uns waren. „Ich meine, was ich sage und nein, ich würde meinen Pinsel auf keinen Fall eintauschen. Eintauchen dagegen sehr gerne.“ Unruhig trat ich mit den Beinen, während ich fieberhaft überlegte, was ich darauf erwidern sollte, doch mir wollte partout nichts einfallen. Stattdessen überkam mich eine Welle heißer Lust, als Sörens Blick mich gefangen nahm. „Siehst du die kleine Grotte da hinten? Der Nebel des Wassers verhindert eine freie Sicht. Was glaubst du wohl, was macht das Pärchen da drin, das vor zehn Minuten dort hinein verschwunden ist?“

„Lass mich überlegen“, antwortete ich, ohne den Blick abzuwenden. „Sie lieben sich – haben Sex.“

„Ich hoffe es doch sehr. Es gibt nichts Schöneres als Menschen, denen die wesentlichen Dinge im Leben genauso wichtig sind wie das Leben selbst.“

Grundgütiger! Dieser Mann verführte mich mit seiner Stimme und einer Art zu sprechen, die mich stark an die alten Mantel- und Degenfilme erinnerte, nur eben ohne die Anrede in dritter Person. Sein Arm streifte meinen. Dann spürte ich seinen Schenkel, der sich an meinem rieb und leistete keinerlei Gegenwehr. Im Gegenteil. Ich genoss Sörens Nähe. Abwartend starrte ich ihn an, gespannt darauf, was er als Nächstes tun würde. Um uns herum befanden sich einige Menschen und kein Nebeldunst schützte uns vor neugierigen Blicken, aber Sören schien daran keinen Anstoß zu nehmen. Er rückte noch näher und hauchte einen winzigen Kuss auf meine nackte Schulter. Dann schwamm er hinter mich, bis ich völlig zwischen seinem Körper und dem Beckenrand gefangen war. Ich spürte, wie sein harter Penis sich gegen meinen Po presste und schluckte hart. Ergeben schloss ich die Augen, gewillt, alles geschehen zu lassen, was er mir anbot, wenn er es nur schnell tat. Vielleicht war es idiotisch und dumm, doch bei Sören hatte ich das Gefühl, ihn besser zu kennen, als jeden anderen Mann vor ihm.

„Ich kann fühlen, wie sehr du es willst. Aber ich habe es noch nicht gehört. Ich muss es hören. WAS willst du?“, hörte ich ihn ganz dicht bei meinem Ohr fragen. Allein der eindringliche Klang seiner Stimme verursachte mir eine Gänsehaut.

„Alles“, wisperte ich und legte meinen Kopf an seine Schulter. Sein Brusthaar kitzelte meinen Rücken und ich dachte gar nicht daran, es nicht zu mögen, obwohl ich behaarte Männer bisher immer abgelehnt hatte.

„Bist du dir sicher? Wenn ich damit anfange, gibt es kein Zurück mehr.“

„Auf was wartest du noch? Tu es.“

Wir klebten wie eine Person am Rand des Beckens und ich erschrak furchtbar, als die Massagedüse wieder ansprang und mich gegen Sören presste. Mit einem leisen Lachen schob er mich nach vorne gegen den Wasserstrahl, der genau auf meinen Unterleib zielte. Allerdings musste ich dieses Mal nicht gegen den starken Wasserwiderstand ankämpfen, sondern konnte mich ganz und gar auf das wollüstige Kribbeln an meiner Klitoris konzentrieren. „Steh still, süße Kerstin. Atme, mein Herz, atme.“

Ich liebe gute Geschichten und ich liebe es, zu schreiben! Dabei ist mir wichtig, Stimmungen und Gefühle zu erzeugen, euch dem Alltag zu entreißen und eure Gedanken davonzutragen.

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© Leocardia Sommer