Leseprobe Burning Passion

„Schreien Sie ruhig, wenn Ihnen danach ist, doch keiner wird kommen, um Ihnen zu helfen. Niemand weiß, wo Sie sind. Niemand, hören Sie?“ Die Stimme des Mannes klang durch seine Maske seltsam dumpf und dadurch noch furchteinflößender. Und wieder war Diana froh! Froh darüber, dass er sein Gesicht verhüllte, weil die Vernunft ihr sagte: Der Mann hat nicht vor, dich zu töten! Weshalb sonst sollte er sich die Mühe machen, sein Gesicht vor ihr zu verbergen? Zwar wollte er sie nicht umbringen, doch eines wollte er mit absoluter Sicherheit – er wollte sie leiden sehen! Sie quälen! Diana versuchte tapfer, weitere Tränen zurückzuhalten und den Schmerz auszublenden, doch es wollte ihr nicht gelingen. Was, wenn sie die Torturen, die er ihr auferlegte, nicht ertragen konnte? Wenn ihr Herz versagte oder ihr Verstand sich verabschiedete?

Du musst nur lange genug am Leben bleiben, bis Finn dich findet.

Sie versuchte, ihren Arm zu bewegen, doch der gleißende Schmerz, der ihre Hand durchzuckte, zwang sie, in dieser Position stillzuhalten.

„Hören Sie auf, so herumzuzappeln. Sie schaden sich nur selbst, je mehr Sie sich bewegen.“

Der Mann entfernte sich von ihr und Diana konnte ihn leise fluchen hören, während er einige Gegenstände hochhob, umsetzte oder öffnete. Er suchte etwas und sie betete, er möge es nicht finden, denn was immer es auch war – es war mit Sicherheit nichts Gutes.

Seine letzten Worte hinterließen ein großes Fragezeichen in ihrem Kopf, denn sie konnte es nicht fassen – ER sorgte sich um ihr Wohlergehen. Es klang absurd, doch wieso sollte er sie sonst davon abhalten, sich mehr Schmerz zuzufügen als notwendig? Völliger Quatsch, schoss es ihr in den Sinn. Zuerst hatte er sie mit dem Vorwand, mit dem Kindersitz seiner Tochter nicht klarzukommen, in seinen Van gelockt. Danach hatte er sie mit irgendetwas betäubt und anschließend wie eine Weihnachtsgans verschnürt. Dabei war er nicht gerade zimperlich mit ihr umgegangen, was sie an ihren schmerzenden Knien und an ihrer Hüfte spüren konnte.

Also war ihr Zustand das Allerletzte, um was sich dieser Dreckskerl scherte. Sicher will er nur, dass du nicht vor Elend in Ohnmacht fällst. Er will, dass du wach und bei Sinnen bleibst – will deine Schmerzen genießen, dachte sie bitter. Diana wollte nicht hinsehen, doch sie konnte sich sehr genau vorstellen, wie grotesk es aussehen musste, wie sie so dasaß, ganz so, als würde sie die massive Betonsäule zu ihrer Rechten abstützen.

Oh Gott! Mit der Wucht eines Vorschlaghammers wurde ihr bewusst, dass sie bald schon ein riesiges Problem haben würde. Wie lange wohl konnte sie ihren Arm in dieser Position gestreckt halten, ohne dass ihre Muskeln versagten? Sie würde das Gewicht ihres Arms früher oder später nicht mehr halten können und dann lastete unweigerlich alles auf dem Nagel in ihrer Hand. Ein dumpfer Schreckenslaut entfuhr ihr, als sie daran dachte, wie sich das in ihrer Hand anfühlen würde. Diana spürte, wie ihr schlecht wurde. Ob es stark blutete? Sieh nicht hin, denk nicht mal daran, ermahnte sie sich selbst, du willst dich nicht auch noch übergeben. Vorsichtig öffnete sie die Augen, den Blick starr auf den Boden gerichtet, doch selbst den konnte sie durch den Schleier von Tränen nicht richtig erkennen. Außerdem fehlte Diana ihre Brille, die sie wohl irgendwo zwischen Van und diesem Drecksloch verloren hatte. Vielleicht hatte er Diana die Brille auch weggenommen. Sie wusste es nicht und es war letztendlich auch egal, denn eine fehlende Brille war derzeit ihr geringstes Problem. Sie betrachtete die Kante des alten Holzstuhls, auf den er sie gesetzt hatte, und hätte beinahe gekichert. Ob sie ihn um ein Kissen bitten sollte? Das würde ihn wahrscheinlich ein wenig aus der Fassung bringen, zumindest für eine kurze Zeit. Diana entschied sich dagegen, denn sie wollte ihr Glück nicht herausfordern. Nicht auszudenken, wenn er das Gefühl bekam, sie wollte ihn trotz dem allen verarschen!

Sie befand sich in einem Keller, der vollgestellt war mit allerlei Kisten und Kartons. Die zwei Fenster, die sie sehen konnte, waren geschlossen und mit dunkler Farbe bemalt. Direkt darunter befand sich eine Werkbank, deren Ausstattung Diana hektisch schlucken ließ. Oh ja, dieser Mann war mit Werkzeug bestens ausgerüstet. Nicht darüber nachdenken, schau dich um, befahl sie sich selbst. Präg dir alles genau ein, vielleicht brauchst du es später noch. Diana konnte keine Tür entdecken, weshalb sie diese direkt hinter sich vermutete, wo auch ihr Peiniger sich gerade befand.

KEINER WIRD KOMMEN, UM DIR ZU HELFEN! NIEMAND WEISS, WO DU BIST.

Das waren seine Worte gewesen und er hatte sehr sicher geklungen, weshalb sie davon ausgehen musste, dass er die Wahrheit gesagt hatte.

Diana dachte an Finn und überlegte, ob er sich jetzt wohl schon Sorgen machte. Es war schwer abzuschätzen, wie lange sie weggetreten gewesen war, doch es musste draußen schon dunkel sein, denn sie konnte keinen Lichtschein sehen, der durch die schlampig angepinselten Fenster hereinfiel. Dafür wurde der Kellerraum von zwei nackten Glühbirnen ausgeleuchtet und da sie am frühen Nachmittag gekidnappt worden war, befand sie sich bereits mehrere Stunden in seiner Gewalt.

 

Als Nächstes wurde ihr bewusst, dass sie durch ihren Blackout keine Ahnung hatte, wohin der Mann mit ihr gefahren war und wie lange. Sie konnten sonst wo sein – weit außerhalb von Miami oder gleich um die Ecke. Dieser Umstand ließ Diana ihre Situation noch hoffnungsloser erscheinen.

„Verflucht“, hörte sie ihn irgendwo hinter sich fluchen. Er klang mit einem Mal gestresst.

„Hören Sie, Mister“, versuchte Diana an sein Gewissen zu appellieren. „Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen, aber Sie müssen dies hier nicht tun. Wenn Sie … wenn es Sex ist, dann werde ich mich nicht wehren. Das verspreche ich Ihnen.“ Sie versuchte tapfer zu sein und hoffte inständig, der Kerl würde aufhören, ihr weitere Schmerzen zuzufügen. Lieber ertrug sie für eine kurze Zeit seinen großen, schwitzenden Körper auf sich, als für immer verstümmelt zu werden. Gott allein wusste, was er für sie geplant hatte, doch das schwere Gerät in seiner Hand verhieß nichts außer blankem Horror.

„Sex? Sie glauben, ich will Sex?“ Ihr unheimlicher Angreifer schüttelte den Kopf. „Von allen Dingen auf Gottes Erden will ich am allerwenigsten Sex! Glauben Sie etwa, meine Beweggründe seien von solch niedriger Art? Sie haben keine Ahnung, weshalb Sie ausgesucht wurden, habe ich recht?“

Diana schniefte. Dann schüttelte sie den Kopf. „Nein, das weiß ich nicht. Woher sollte ich das auch wissen? Ich kenne Sie doch nicht einmal. Bitte, Mister, sagen Sie mir, was los ist. Falls es Geld ist, dann bin ich sicher, wird mein Mann alles dafür tun, dass Sie bekommen, was Sie fordern. Wir haben zwar nicht viel, aber er wird es irgendwie möglich machen, da bin ich sicher.“ Diana überlegte fieberhaft, was ihn umstimmen könnte. „Bitte, Mister, rufen Sie meinen Mann an. Was immer es ist, er wird es Ihnen geben.“

Sie zog die Nase hoch und versuchte verzweifelt, besser Luft zu bekommen und gleichzeitig den brennenden Schmerz zu ignorieren, der mittlerweile in ihren Unterarm ausstrahlte.

„Oh ja. Das wird er. Da bin ich mir ganz sicher. Ihr gottverdammter, ach so ehrenhafter Ehemann wird alles tun, was ich fordere, und darüber hinaus noch viel mehr. Aber es geht hier nicht nur darum, was er TUN wird, sondern was er BEREITS GETAN hat.“

Der Mann packte Dianas rechten Fuß, der mit Kabelbinder an ein Stuhlbein gefesselt war, und presste ihn auf den kalten Betonboden, wodurch der starre Kunststoff schmerzhaft in das zarte Fleisch oberhalb ihrer Ferse schnitt.

„Nein“, heulte Diana verzweifelt, „bitte nicht die Füße. Ich unterrichte Sport und ich tanze. Ich brauche meine Füße. Bitte, Mister, nicht die Füße. Was um Himmels willen hat Finn Ihnen bloß getan? Bitte sagen Sie es mir. BITTE. Vielleicht kann ich helfen.“ Dianas Nase lief nun so sehr, dass sie glaubte, ersticken zu müssen, was ihre Panik ins Unermessliche steigerte. Du musst dich zusammenreißen! Sie versuchte, sich selbst zu beruhigen, doch es wollte ihr ob der Situation nicht gelingen. Die Angst schnürte ihr die Luft ab und umklammerte ihre Eingeweide wie eine heiße Faust.

„Sie werden alles erfahren, meine Liebe, keine Bange. Sie werden erfahren, was Ihr heldenhafter Ehemann getan hat, aber vorher gibt es noch einige Dinge, die wir zu Ende bringen müssen“, antwortete der Maskenmann und setzte die Nagelpistole an – dieses Mal auf Dianas Fußrücken.

Ich liebe gute Geschichten und ich liebe es, zu schreiben! Dabei ist mir wichtig, Stimmungen und Gefühle zu erzeugen, euch dem Alltag zu entreißen und eure Gedanken davonzutragen.

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© Leocardia Sommer