„Was Ben wohl gerade tut?“

Mit dem Zeigefinger zeichnete Erik zärtlich ein Muster auf Sarahs Hüfte, während er auf der Seite liegend, ihr Gesicht betrachtete. Wie sehr er diese Frau liebte. Niemals hätte er erwartet, dass eine Frau ihm so schnell und so gründlich den Kopf verdrehen konnte, wie es Sarah getan hatte. Zwar war ihm damals, als er sie im Supermarkt angerempelt und dann als Entschuldigung zum Essen eingeladen hatte, schon klar gewesen, dass er sie unbedingt näher kennenlernen wollte, doch dass er nun bald heiraten würde – das hätte er sich niemals träumen lassen. Sarah war auch der Grund, wieso sein bester Freund und Kollege Ben, anstatt mit ihm, mit einem anderen Kollegen vor acht Wochen nach Alaska aufgebrochen war.

Als man ihnen angeboten hatte, einen Film über die Aufzucht von Alaskan Malamutes, einer Hunderasse der Inuit, zu drehen, war klar, dass dies einen mehrmonatigen Aufenthalt in einer der kältesten Regionen der Erde bedeutete. Doch für Erik stellte sich nur eine Frage: Würde er so lange von Sarah getrennt sein wollen? Die Antwort darauf lautete: Nein. Das wollte er auf keinen Fall und so hatte Erik, wenn auch schweren Herzens beschlossen, diesen Auftrag nicht anzunehmen und in Deutschland zu bleiben. Nur gut, dass Adam, ein Freund von Ben und ebenfalls ein Crack hinter der Kamera, für Erik eingesprungen war. Nicht auszumalen, wenn Ben wegen ihm den Auftrag am Ende hätte ablehnen müssen, was das Ende seiner Karriere als Tierfilmer hätte sein können.

 

Wieder rief Erik sich diese für ihn schmerzhafte Szene am Flughafen in Erinnerung. Das Bild, als sich die Freunde von Ben und Adam verabschiedet hatten. Wieso nur bekam er den Anblick seiner Sarah in Bens Armen nicht aus dem Kopf? Ihren traurigen Gesichtsausdruck, den Schmerz in ihren Augen, als sie sich an Ben geschmiegt und fast geweint hätte. Erik schluckte schwer und schloss die Augen. Es war offensichtlich, dass Sarah mehr für Ben empfand, als nur Freundschaft und Erik musste sich eingestehen, dies vorher bereits gespürt, aber erfolgreich verdrängt zu haben. Doch spätestens seit dieser Abschiedsszene war diese Ahnung zur Erkenntnis geworden und obwohl er gedacht hatte, damit umgehen zu können, nagte es sehr an ihm. Mehr, als ihm lieb war, zumal er wusste, dass auch Ben sich sehr zu Sarah hingezogen fühlte. Und obwohl Ben seit Wochen viele tausend Kilometer entfernt war und sie sich bisher lediglich Emails geschrieben oder kurz geskypt hatten, wurde Erik dieses ungute Gefühl nicht los, dass seit dieser Gewissheit ein Damoklesschwert über ihm und seinem Glück mit Sarah schwebte. Angst. Es war schlichtweg die Furcht davor, sie zu verlieren. Erik, der sich in seinem bisherigen Leben nie wirklich vor irgendetwas gefürchtet hatte, grauste es bei der Vorstellung, Sarah könnte ihn verlassen. Aber ihm war auch klar, dass diese Möglichkeit immer bestand. Wenn Sarah eines Tages beschließen sollte, zu gehen, würde sich seine Welt weiterdrehen. Irgendwie. Scheiße. Wieso nur musste er gerade jetzt so sentimental werden. Gerade hatte er geilen Sex mit seiner Verlobten gehabt. Sie würden bald heiraten und er lag hier und dachte darüber nach, wann sie ihn verlassen könnte. Dieser Umstand ließ ihn wütend werden. Egal, was auch immer die Zukunft brachte – einfach so würde er nicht aufgeben. Er würde um sein Glück und um sein Leben – um seine Sarah kämpfen, auch wenn dies eventuell bedeutete, einen Freund wie Ben zu verlieren…

 

Sarah glaubte, ihren Ohren nicht zu trauen. Gerade hatten Erik und sie sich wild und leidenschaftlich geliebt. Der Nachhall ihres Orgasmus hatte sie noch fest im Griff, als Eriks Worte sie jäh in die Wirklichkeit zurückrissen. „Wieso denkst du ausgerechnet jetzt an Ben?“, fragte sie ungläubig und öffnete die Augen. Erik schlug nun ebenfalls die Augen auf und betrachtete sie aufmerksam.

„Ich glaube, dass nicht ich das gerade denke, sondern du“, erwiderte Erik nach außen hin völlig gelassen, doch sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Was er gerade tat, war nicht besonders klug und schon gar nicht nett, aber er konnte nicht anders. „Ich weiß, dass du an ihn denkst. Ich kann es spüren. Er ist allgegenwärtig. Und Belle - bevor du es abstreitest, solltest du daran denken, wie gut ich dich kenne. Glaubst du, mir wäre nicht aufgefallen, wie du ihn angeschaut hast, als ihr euch verabschiedet habt?“

Ob sie sich verhört hatte? Nein. Das hatte sie nicht. Ihr war klar, dass Erik um Bens Gefühle zu ihr wusste – naja, wenigstens ein wenig davon. Und ja, sie hatte ihm auch schon gesagt, dass sie Ben auch sehr gern hatte. Aber wie zum Teufel kam er darauf, dass sie…? Mitten in ihren Gedanken kam sie ins Stocken. Wem wollte sie hier etwas vormachen? Sich selbst oder Erik? Sie wusste es nicht. Was sie jedoch wusste, war – ja, verdammt noch mal. Es stimmte. Sarah hatte Gefühle für Ben. Doch das Wissen darum war gleichzeitig auch das Ende der Geschichte. Sie hatte sich für Erik entschieden. War es möglich, gleichzeitig einen weiteren Menschen auf die gleiche Art zu lieben? Natürlich war es das. Ganz eindeutig – JA. Aber musste diese Erkenntnis auch bedeuten, diese Liebe auch auszuleben? Nein. Keinesfalls. Für Sarah war klar – ihre Wahl war auf Erik gefallen, auch wenn Ben oder der Gedanke an ihn, ihren Magen in Aufruhr versetzte und sie nervös machte. Doch Ben und sie waren lediglich gute Freunde, mehr eben nicht. Umso mehr ärgerte sich Sarah darüber, dass ausgerechnet Erik seinen Freund in ihr gemeinsames Bett holte und ihn damit zum Gegenstand einer sehr intimen Situation machte.

Wütend darüber, funkelte sie Erik an. „Was ist los mit dir? Warum, verdammt noch mal, musst du Ben in unser Bett zerren?“

„Oh, welch‘ eine schöne Formulierung“, feixte Erik ironisch. „Das höchste der Gefühle ist, dass er in deinem Kopf herumspukt. Keine Sorge – in unser Bett kommt er auf keinen Fall.“ Ohne es zu wollen, war Erik laut geworden, doch Sarah zeigte keinerlei Anzeichen von Furcht. Im Gegenteil. Sie wirkte kämpferisch und angriffslustig, was ihn noch mehr anstachelte.

„Dies hier gehört alles mir, damit wir uns verstehen.“

Erik schob seine Finger über Sarahs Taille nach unten und strich über ihre Vulva. Dann drehte er sie, ehe sie auch nur blinzeln konnte, so blitzschnell auf den Rücken, dass ihr die Luft wegblieb. Mit beiden Händen spreizte er ihre Beine und schob seinen großen, massigen Körper über sie, um nur Sekunden später mit einem einzigen, tiefen Stoß tief in ihre noch feuchte Vagina einzudringen. Beide keuchten laut auf, Erik vor Entzückung, Sarah vor Überraschung.

„Dir gehört gar nichts, mein Lieber“, hielt Sarah aufgebracht dagegen. „Du kannst damit spielen, aber gehören tue ich nur mir selbst.“

„Wenn du darüber jetzt sprechen willst, soll es mir nur recht sein“, antwortete Erik grimmig. „Aber ich schwöre dir, es wird kein anderer Mann in deine Nähe kommen, solange ich bei dir bin.“ Besitzergreifend fuhr er über ihre Hüften und hob sie an, während er seinen Oberkörper aufrichtete, bis er auf dem Bett kniete, wodurch er bedrohlich wild, fast animalisch wirkte, was allein durch seine Körpergröße von knapp 1,95 Meter automatisch der Fall war. Niemand zweifelte an der Ernsthaftigkeit seiner Worte, wenn er sein erzürntes Mienenspiel zeigte…

Wären das Thema und die Situation nicht gerade so prekär, hätte Sarah über sein männliches Imponiergehabe gelacht. Dummerweise hatte er bei ihr gerade leichtes Spiel gehabt, denn Sarah war immer noch weich und gedehnt von ihrem Liebesspiel zuvor, sonst hätte sie sich garantiert nicht so überrumpeln lassen. „Warum zum Teufel kann ER auch schon wieder“, überlegte sie verdutzt, als er ihre Schenkel nahm und sie nach oben gegen ihren weichen Bauch drückte. Was für ein Gefühl, als er probeweise kleine, schnelle Bewegungen mit der Hüfte machte und mit winzigen, kurzen Stößen ihr Fleisch massierte. Dieser Teufel. Erik wusste genau, wie Sarah tickte und er sie dazu bringen konnte, alles um sich herum zu vergessen.

Uhhh – ihre Überlegungen mussten bis nachher warten. Jetzt galt es, seinen dicken, harten Penis einfach zu genießen, und zwar in vollen Zügen. Erik war nicht nur körperlich groß. Nein. Alles an Erik war groß und obwohl sich Sarah mittlerweile daran gewöhnt haben sollte, hatte sie jedes Mal, je nach Stellung und Winkel das Gefühl, ihn neu zu erleben. Die Stellung, in der er sie jetzt nehmen wollte, war für Sarah nicht sonderlich bequem und das wusste Erik sehr wohl. Tief in Sarah regte sich der Verdacht, dass sie gerade für etwas bestraft werden sollte, doch bevor sie widersprechen konnte, hatte er schon zugestoßen. Gott verdammt, war das gut. Zischend entwich ihr die Luft, während er sie so tief stieß, dass er jedes Mal bis zur Wurzel in ihr steckte und seine Hüften gegen ihre prallen Schenkel klatschten. Sarah versuchte, ihre Schenkel festzuhalten, doch sie konnte sie einfach nicht greifen. So würde sie in allerkürzester Zeit einen Krampf kriegen, da war sie sich sicher.

Aber Erik erkannte ihr Dilemma und nur wenige Sekunden später lagen ihre Unterschenkel bequem über seinen Schultern und ihr Po ruhte auf seinen Oberschenkeln. Dies war eine von Eriks Lieblingsstellungen, weil er so, wie er sagte, alles von ihr sehen und gleichzeitig bis zum Anschlag in ihr sein konnte. Er zog sich aus ihr zurück, bis nur noch seine dicke, pralle Eichel in ihrer gut geölten Öffnung steckte und hielt inne. „Mach die Augen auf.“ Seine Stimme klang heiser vor unterdrückter Emotionen. Sie tat, was er ihr befohlen hatte und sah seinen Blick auf der Stelle ruhen, wo sich ihre geschwollene, weit offene Vagina und sein praller Penis trafen – ungeduldig darauf wartend, dass er endlich weitermachte. Schließlich hob Erik den Blick und schaute Sarah triumphierend in die Augen.

„Das darf nur ich“, knurrte er und stieß mit aller Macht zu. „DAS. GEHÖRT. NUR. MIR.“

Sarah stieß ein wimmerndes Geräusch aus, probierte, seiner wuchtigen, fast schmerzhaft tiefen Attacke entgegenzukommen. „Ahhh. Mhm.“ Sarah entfuhr bei jedem seiner hämmernden Stöße ein Stöhnen und sie versuchte, ihre Muskeln zu lockern. Seine Hüften klatschten gegen ihr Fleisch und feuchte Schmatz-Laute waren zu hören.

„Du riechst nach mir und du schmeckst nach mir“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Wenn ich könnte, würde ich dich auch sichtbar kennzeichnen, aber das ist ja heutzutage verboten.“

Was? Erneut glaubte Sarah, sich verhört zu haben. „Du willst was? Mich brandmarken? Bist du jetzt völlig durchgeknallt?“

„JA. ICH. BIN. VÖLLIG. TOTAL. UND. HOFFNUNGSLOS. DURCHGEKNALLT. WENN. ES. UM. DICH.GEHT.“

Plötzlich musste Sarah lachen. Sie konnte nicht anders. Jeder seiner Stöße wurde von einem Wort untermalt. Wunderbar. Sarah kicherte und kicherte, war gar nicht mehr zu beruhigend, bis ihr schließlich die Tränen kamen. Erik hämmerte mit verbissenem Geschichtsausdruck weiter in sie hinein, bis sich ihr Lachen in Schluchzen verwandelte und Sarah, überwältigt von ihren Gefühlen, plötzlich weinte. Heiße Tränen rannen ihr übers Gesicht, als sich ihre Brustwarzen schmerzhaft zusammenzogen und sich ihr Orgasmus ankündigte.

„SCHAU. MICH. AN. ICH. WILL. DEINE. AUGEN. SEHEN. WENN. ICH. KOMME.“ Eriks Gesicht war gerötet und Schweißperlen standen ihm auf der Stirn, während die Schlagader an seinem Hals heftig pulsierte. Seine Arme zitterten ob der Anstrengung, seine eigenes Gewicht und das ihrer Unterschenkel zu halten, doch er schien das alles gar nicht zu bemerken.

Mit gleichmäßiger Stärke und Ausdauer vögelte er Sarah – zeigte ihr, dass er ihr Mann war. Er alleine war derjenige, der sie glücklich machen konnte. Sie spürte, wie sich der Druck unaufhaltsam in ihr aufbaute, und das nur wenige Minuten nach ihrem letzten, köstlichen Höhepunkt. Sie fühlte dieses fast schmerzhaft, süße Ziehen, dieses starke Gefühl, das sich an ihrem Kitzler konzentrierte und pulsierend nach Erfüllung schrie. Gerade als sie dachte, nicht mehr zu können, stieß Erik einen lang gezogenen, röhrenden Schrei aus und pumpte in mehreren ekstatischen Schüben sein Sperma in ihre glitschige Möse.

Sarah kam mit brachialer Gewalt. Ihr Orgasmus ließ ihr Universum in Millionen kleiner Splitter zerfallen, aus dem heraus sich die Empfindung ergab, nicht mehr sie selbst zu sein. Ihr ganzer Körper war federleicht und bebte im Nachhall dessen, was sich fast wie eine Ohnmacht anfühlte. Sie schwebte.

Einige Sekunden lang verharrte Erik heftig atmend und mit zitternden Armen über ihr, bis er Sarahs Beine von seinen Schultern gleiten ließ, um sich völlig erschöpft und ausgelaugt neben sie fallen zu lassen. Wie hatte er glauben können, er könnte mit seinen Gefühlen umgehen? Damit umgehen, dass Sarah sich in Ben verliebt haben könnte? Gerade eben hatte er sehr demonstrativ das Gegenteil bewiesen und schämte sich insgeheim dafür. Natürlich wusste er, dass Sarah explosiven, stürmischen Sex ebenso sehr genoss wie er, doch er hatte ihr schon mehr als eindringlich verdeutlicht, was er gerade fühlte. „Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht so überfallen. Es ist nur…“, rang Erik ergriffen nach Worten.

„… dass es ganz fantastisch war. Ich sollte dich öfter in Rage bringen“, beendete Sarah seinen Satz und kicherte.

Eriks Hand suchte ihre und als er sie fand, umschloss er sie zärtlich und hob ihre Finger zu seinem Mund. Diese liebevolle Geste brachte etwas in Sarah zum Klingen und sie schniefte erneut.

„Du bist mein Herz, Belle. Ich hoffe, du weißt das. Beschütze es, okay? Geh sorgsam damit um.“ Eriks erstickte Worte waren leise und eindringlich.

„Natürlich, du Spinner. Was auch sonst. Hast du schon einen Plan, wohin das Tattoo soll?“, erwiderte Sarah ebenso ernsthaft und schniefte, weil mit den Tränen ihre Nase zu laufen begann.

„Tattoo? Ach so, das“, beantwortete Erik seine Frage selbst und zog Sarah eng an sich. Sein Kinn ruhte auf ihrem Kopf. Es war richtig. Alles war gut.

Während sie so eine Weile lang schweigend dalagen und jeder seinen Gedanken nachhing, wurde Sarah urplötzlich klar, was zu tun war. Sie musste die Angelegenheit zwischen Ben und ihr unbedingt klären. Sie nahm sich vor, das in Angriff zu nehmen, sobald Ben aus Alaska zurück sein würde, und kuschelte sich noch enger an Erik – den Mann, den sie hoffentlich bald heiraten würde…

 

1

 

Drei Monate später…

 

„Das gibt’s doch nicht“, keuchte Erik, der gerade zwei weitere Kisten in den zweiten Stock des Hauses geschleppt hatte, in dem sich Bens neue Wohnung befand. „Wieso musst du nur so viel Zeug haben?“

„Wie wäre es, wenn du mal zur Abwechslung mehr Sport machen würdest, anstatt dich immer nur um deine Liebesangelegenheiten zu kümmern“, frotzelte Ben, der eine große Kiste DVDs aus dem Transporter nahm und auf dem Gehsteig abstellte, um die Tür des Wagens schließen zu können. „Deine Kondition lässt arg zu wünschen übrig, Alter. Sei froh, dass wir fertig sind. Das waren die letzten Kartons. Jetzt kommt nur noch meine Musik und das war‘s.“

„Lass verdammt noch mal meine Kondition aus dem Spiel. Über die hat sich bisher noch niemand beschwert. Wieso musstest du auch in den zweiten Stock ziehen“, knurrte Erik brummig und machte eine abfällige Handbewegung. Er wusste ganz genau, weshalb er sich über Bens laxe Bemerkung mehr ärgerte, als ihm lieb war. Normalerweise hätte er über eine solche Bemerkung nur gelacht, doch jetzt war er drauf und dran, seinem Kumpel an die Gurgel zu gehen.

„Das hab‘ ich nur für dich gemacht. Schließlich wollte ich auf keinen Fall auf dein Gejammer verzichten. Wie schade, dass die Mädels erst später zu uns stoßen, sonst hätte ich SIE gebeten, mir beim Kistenschleppen zu helfen.“ Ben streckte seinen Rücken durch und ging zu Erik hinüber, der sich immer noch schwer atmend die Seite hielt. „Und das wäre ein schönerer Anblick gewesen.“

„Ach, fick dich doch“, stieß Erik hervor und wandte sich schnell ab, um nicht noch mehr Idiotisches von sich zu geben. So sah er aber auch nicht, dass Kalle ihn skeptisch anstarrte, während Adam und Josh, die anderen Männer der Helfertruppe, mit den Schultern zuckten.

„Ich will mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber Ben hat recht. Du solltest wirklich an deiner Form arbeiten.“ Kalles ruhige, bestimmte Stimme klang sachlich und gab keinen Grund, aggressiv zu werden. Er saß auf einem der Stühle, die sie zum Freihalten eines Parkplatzes für den Kleintransporter auf die Straße gestellt hatten und hielt sein Smartphone in der Hand. Nelly, seine hochschwangere Freundin hatte ihm eine Nachricht geschickt – eigentlich mehr die Bitte, nicht mehr zu lange mitzuhelfen, denn immerhin würde er doch zuhause gebraucht. Seit Kalle wusste, dass Nelly schwanger war, war er ständig um sie und das Kleine besorgt. Seine Beziehung zu Nelly war nicht einfach, schon alleine deswegen, weil sie beide unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Kalle ein bodenständiger, sehr familiärer Mensch war, konnte die bildhübsche, sehr materiell eingestellte Nelly schon eine echte Nervensäge und sehr launisch sein.

Nelly - einst die beste Freundin von Sarah - hatte sich den Umstand, von der Clique zwar geduldet aber nicht wirklich gerne gesehen zu sein, selbst zuzuschreiben. Ganz im Gegensatz zu Kalle, den alle sehr mochten. Seit Nelly auf hinterhältige Art und Weise versucht hatte, einen Keil zwischen Sarah und Erik zu treiben, und ihr dies sogar fast gelungen war, herrschte so etwas wie Eiszeit zwischen den beiden Frauen – verständlicherweise. Deswegen verstand keiner der anderen wirklich, am wenigsten Sarah, wie das zwischen Kalle und Nelly funktionierte – aber das tat es wohl...irgendwie.

„Wie geht’s eigentlich Nelly? Was macht das Kleine? Ich glaube, es ist bald soweit, oder?“ Obwohl Erik allen Grund gehabt hätte, Nelly zu verachten, schien er ihr verziehen zu haben, was Kalle sehr freute.

„Es sind noch zehn Tage – offiziell. Aber der Arzt sagt, das erste Kind lässt oft länger auf sich warten. Nelly geht’s so – naja. Sie fühlt sich wie ein Pottwal und ist ziemlich nervig, um ehrlich zu sein.“

Die Männer lachten und schauten dann zu Ben, der sich die CD-Kiste schnappte, um die allerletzte Tour für heute zu gehen. „Wenn ihr soweit seid, kommt einfach hoch, okay? Vergesst die Stühle nicht.“ Damit drehte er sich um und verschwand im Haus.

Josh und Adam sahen einander an und stöhnten übertrieben. Sie hatten vor noch nicht einmal drei Minuten die Waschmaschine nach oben geschleppt und sahen dennoch frisch und munter aus.

„Schon wieder da rauf“, jammerte Josh gespielt, hatte sich jedoch bereits den Klappstuhl geschnappt und auf den Weg gemacht. Adam lachte und wischte sich den Schweiß ab. „Wie Recht du hast. Ich bin ja so was von fertig. Zwei Stockwerke.“

Ich liebe gute Geschichten und ich liebe es, zu schreiben! Dabei ist mir wichtig, Stimmungen und Gefühle zu erzeugen, euch dem Alltag zu entreißen und eure Gedanken davonzutragen.

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© Leocardia Sommer