Zur Hölle mit seinen guten Vorsätzen. Er war es leid, Ausreden zu erfinden und sich zurückzuhalten. Sie hatte recht. Was hinderte sie daran, sich wie zwei Berserker aufeinanderzustürzen und danach wieder zur Tagesordnung überzugehen? Es würde nicht funktionieren und tief in seinem Inneren wusste er es, doch er hörte auf, sich weiter darum zu sorgen. Mit einem dumpfen, knurrenden Geräusch zog er sich sein Shirt über Kopf und Schultern und warf es von sich. Dann überwand er so schnell den Abstand zwischen ihnen, dass sie erschrocken nach Luft schnappte. „Zu spät“, stieß er heiser hervor, als er so dicht vor ihr zum Stehen kam, dass sie seine Hitze spüren konnte.

Tina blickte ihn mit riesigen Augen an, schien Angst zu haben vor ihrer eigenen Courage, doch Gabriel ließ ihr keine Zeit mehr, darüber nachzudenken. Er hob sie hoch, trug sie zum Tisch und setzte sie dort ab. Mit beiden Händen spreizte er ihre Beine und stellte sich dazwischen. Er drückte ihren Oberkörper nach hinten auf die Tischplatte und betrachtete sie eingehend. Verflucht, ist sie heiß, dachte er. Alles an ihr war zierlich und wunderschön. Ihre Brüste bebten vor Anspannung. Die rosafarbenen Brustspitzen waren zu festen kleinen Beeren geworden, die zu kosten er sich nicht länger zurückhalten konnte. Er senkte den Kopf auf ihren Brustkorb und nahm eine ihrer Brüste in seinen Mund. Köstlich. Sein erster Gedanke war, wie wundervoll sie schmeckte. Ihre Haut war leicht salzig und so weich, dass es ihn verrückt machte. Wie automatisch schob sich seine Hand zu ihrer anderen Brust, die er sachte zu kneten begann. Von wegen Sex ohne Vorspiel. Gabriel hatte sich etwas vorgemacht, wenn er dachte, dies hier nur als schnelle Nummer abhaken zu können. Dazu war er bereits zu sehr gefesselt von ihr.

 

Sie hatte einen Sturm entfacht – etwas Wildes, das zu bändigen nun nicht mehr in ihrer Macht lag – und hoffte inständig, sich nicht in Gabriel getäuscht zu haben. Er würde ihr keinesfalls wehtun. Zumindest nicht körperlich … Sie hatte ihn mit ihrem frechen Spruch herausgefordert und bekam nun die Quittung dafür – und was für eine! Dabei wollte sie doch nur eines: endlich diesen verdammten Makel loszuwerden. Das Brandmal, das sie seit vielen Jahren trug und nicht loswerden konnte. Die Tatsache, in Liebesdingen ein hoffnungsloser Fall zu sein. Ein Tölpel.

Das Gefühl seiner rauen Zunge auf ihrer empfindlichen Brust war überwältigend und etwas völlig Neues für Tina. Mit geschlossenen Augen lag sie da und genoss Gabriels Liebkosungen, das Saugen und Knabbern an ihrer Brustwarze. Sie spürte das Ziehen tief in ihrem Bauch, dieses köstliche Gefühl, weich und fließend und losgelöst zu sein. Dies hatte sie bisher immer nur erlebt, wenn sie sich selbst unter der Dusche oder nachts alleine in ihrem Bett befriedigt hatte, allerdings war es nicht annähernd so prickelnd gewesen wie das hier. Gabriel ahnte nicht, dass sie noch nie mit einem Mann intim gewesen war, und das sollte zunächst auch so bleiben. Das würde er zwar mit Sicherheit ziemlich schnell herausfinden, doch sie hoffte, dass es dann zum Aufhören bereits zu spät für ihn wäre. Er war der Richtige, um ihre vermaledeite Jungfräulichkeit endlich loszuwerden. Natürlich hatte Tina schon Freunde gehabt, doch bisher war sie mit keinem bis zum Äußersten gegangen. Keiner der Männer hatte sie so inspiriert wie Gabriel – keiner so angemacht. Stöhnend bog sie sich seinem Mund entgegen und keuchte leise, als er seine Hand über ihren Bauch nach unten gleiten ließ, zwischen ihre Beine.

„Verdammt, bist du heiß“, murmelte er und küsste sich über ihre Rippenbögen nach unten zu ihrem flachen Bauch. „Aber du musst mir versprechen, mehr zu essen. Ich habe Angst, dir wehzutun“, wisperte er und hob grinsend den Blick. „Ich würde dich erdrücken, das ist dir doch klar.“ Er richtete sich auf und sein männlich-überhebliches Grinsen ließ sie schmunzeln.

„Du denkst jetzt an Essen? Ehrlich?“ Sie musste nicht die Entrüstete spielen, denn er sah selbst ein, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war, sich über Nahrungsmittel zu unterhalten. „Mein Appetit ist zügellos“, konterte er, hob das Kondompäckchen an den Mund und riss die Folie mit den Zähnen auf. Dann nahm er den Gummi, ohne sie aus den Augen zu lassen, aus der Verpackung und hielt ihn ihr entgegen. „Bitteschön. Die Dame hat Vortritt.“

„Ähm … sorry. Ich bin da furchtbar ungeschickt. Machst du das bitte“, erwiderte sie mit zittriger Stimme und sah ihm dabei ängstlich in die Augen. Da war es wieder, dieses unsagbar schlechte Gefühl, es nicht draufzuhaben. Sich nicht als vollständige Frau zu fühlen. Ob er etwas bemerkt hatte?

Unter seinem prüfenden Blick senkte sie schnell die Lider, doch Gabriel machte nicht viel Aufhebens um die Sache, zog seine Sporthose nach unten und stülpte das Kondom mit einem geübten Griff über seine mehr als beachtliche Erektion. Verdammt, war er groß. Tina linste aus halb geschlossenen Augen in seine Richtung und schluckte nervös. Natürlich hatte sie sich bereits mehr als einmal ausgemalt, wie Gabriel wohl ausgestattet war, doch die Realität übertraf bei Weitem ihre Fantasie. Gabriels Penis sprang förmlich aus seiner Verpackung, ganz so, als wäre er froh, endlich herauskommen zu dürfen. Er ragte steil nach oben und wirkte dabei … fast bedrohlich. So hatte Tina sich das irgendwie nicht vorgestellt. Nicht so mächtig, so … real. Sie schluckte nervös und konnte gerade noch so ein aufgeregtes Kichern unterdrücken. Auf keinen Fall wollte sie, dass Gabriel glaubte, sie würde über ihn lachen, denn das würde er auf jeden Fall falsch verstehen …

„Tina“, knurrte er zwischen zusammengebissenen Zähnen, während er sie mit seinem Blick zu hypnotisieren schien. „Was zur Hölle ist so lustig?“

„Ähm, gar nichts“, beeilte sie sich zu sagen und betete, er würde ihre Lüge nicht durchschauen. Sein durchdringender Blick nagelte sie förmlich am Tisch fest, jedenfalls kam es ihr so vor. Vor lauter Aufregung bekam sie auch noch einen nervösen Schluckauf und hätte sich am liebsten vor Scham in einem Erdloch versteckt. Oh nein. Nicht schon wieder. Es war genauso wie damals, vor vier Jahren. Jimmy hatte ihr ins Gesicht gelacht und mit vor Hohn triefender Stimme gefragt, ob er ihr einen Lehrgang spendieren solle, so ungeschickt hatte sie sich dabei angestellt, seinen Penis zu verwöhnen. Zuerst hatte sie zu zaghaft zugegriffen und dann zu fest. Sie war in diesen Dingen einfach zu ungeschickt gewesen. Noch immer hatte sie seine verächtlichen Worte im Ohr. „Du scheinst auf Weiber zu stehen, was? Es lässt dich völlig kalt, was ich mit dir mache, so trocken wie du bist. So wird das nichts, Mädchen. Vergiss es.“ Damit hatte er sich wieder angezogen und war ohne Gruß abgehauen. Tina hatte sich danach auf keine einzige sexuelle Beziehung mehr eingelassen, doch nun lag sie hier. Nackt, willig und mehr als bereit und das, schon lange bevor Gabriel überhaupt angefangen hatte. Ja, Tina war sich zu einhundert Prozent sicher, dass er der Richtige war. Sie hob den Blick und schenkte dem Mann ihrer Wahl ein süßes kleines Lächeln. Dann legte sie sich völlig ruhig auf die Tischplatte zurück und spreizte ihre Schenkel, soweit sie konnte.

Ich liebe gute Geschichten und ich liebe es, zu schreiben! Dabei ist mir wichtig, Stimmungen und Gefühle zu erzeugen, euch dem Alltag zu entreißen und eure Gedanken davonzutragen.

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© Leocardia Sommer