„Wieso brauchst du nur immer so extrem lange im Bad? Du weißt schon, dass du ein Mann bist, oder?“ Claire Carter wartete leicht genervt darauf, dass ihr Freund Kaleb endlich das Bad freigab, denn sie musste ganz dringend zur Toilette. Für einen Mann verbrachte er für Claires Geschmack viel zu viel Zeit vor dem Spiegel, und das, obwohl er ausnehmend gut aussah.

Kalebs lautes Lachen drang zu ihr ins Schlafzimmer. „Na hör mal, habe ich dir das nicht gerade ausgiebig bewiesen? Ich meine, dass ich ein Kerl bin? Muss ich es auch noch aussprechen?“

Claire schüttelte leicht den Kopf, obwohl er es gar nicht sehen konnte. Nein, das musste er wirklich nicht. Sie hatten sich gerade äußerst leidenschaftlich geliebt und noch immer hatte sie das Gefühl, die Dehnung durch ihn zu spüren. Ihre Spalte pochte im Nachhall seiner stürmischen Eroberung durch seinen Schwanz, doch trotz der gerade erlebten Lust war es ihr wieder nicht gelungen, zum Orgasmus zu kommen. Sie versuchte, das Gefühl der Unzulänglichkeit abzuschütteln, und zog trotz der Wärme im Zimmer fröstelnd das Laken über ihren nackten Körper. „Na ja. Ich würde mal sagen, ähm … nein. Du musst es nicht aussprechen“, erwiderte sie. „Aber ich glaube, Officer Kinney, Sie sind sich nicht darüber bewusst, wie dringend ich ins Bad muss.“

„Oh. Okay, verstehe. Nur noch eine Minute. Bin sofort raus.“

Keine zwanzig Sekunden später erschien Kalebs feuchter, dunkler Haarschopf im Türrahmen. „Mylady. Alles für Sie“, sagte er augenzwinkernd und ließ sie den Rest seines prachtvoll durchtrainierten Körpers sehen, der sich gerade sehr ausgiebig und ganzheitlich mit ihr beschäftigt hatte. Oh ja. Police Officer Kaleb Kinney war eine echte Augenweide, doch das Allerschönste an ihm – zumindest für Claire – waren seine tiefblauen Augen. Kaleb war vier Jahre älter als sie selbst und nur die tiefen Lachfältchen und seine angegrauten Schläfen deuteten darauf hin, dass er die vierzig bereits überschritten hatte.

„Wann musst du los?“, fragte er, während er in seine Shorts schlüpfte, die er unter einem Berg von Klamotten hervorgekramt hatte.

„Mein erster Termin ist um 11 Uhr. Eine junge Frau, die vergewaltigt wurde. Sie hat noch immer Alpträume, obwohl der Übergriff zweieinhalb Jahre zurückliegt. Danach bin ich drüben in der Hersch.“ Claire schlug das Laken zurück und wollte aus dem Bett krabbeln, doch Kalebs Arme umfassten sie von hinten und hinderten sie daran.

„Das ist doch scheiße“, brummte er und drückte Claire einen zärtlichen Kuss in den Nacken. „Ich hasse diese Typen. Mehr als ich sagen kann.“ Kalebs Mund wanderte zu Claires nackter Schulter, die er ebenfalls mit hauchzarten Küssen bedeckte. Seine Hand wanderte hinunter zu Claires weich gerundetem Bauch, wo er sie besitzergreifend ruhen ließ. „Aber ich bewundere dich dafür, dass du anderen Frauen hilfst, auch wenn ich kein gutes Gefühl dabei habe, dich in diesem Haus zu wissen.“ Claire wusste genau, was Kaleb meinte, denn in das Frauenhaus in der Herschstreet, in dem sie mindestens einmal die Woche ehrenamtlich ihre Hilfe anbot, war bereits mehrfach eingebrochen worden. Sie selbst hatte dies allerdings nie miterlebt, da die Übergriffe immer in den Abendstunden stattgefunden hatten und sie sich nur tagsüber dort aufhielt. Claires Miene verfinsterte sich und mit einem Mal fühlte sie sich unwohl. Kaleb wusste nicht …

„Kaleb, bitte, du musst …“

„Schhhh …“, unterbrach er sie und umfasste eine ihrer großen Brüste. „Weißt du eigentlich, wie sehr du mich anmachst?“, hauchte er zwischen zwei Küssen und biss ihr völlig unvermittelt in die Schulter. „Du machst mich völlig willenlos mit diesen verführerisch weiblichen Kurven. Völlig gaga. Dir ist klar, dass du mir gehörst.“

„Ja“, stieß sie hervor und wand sich aus seiner Umarmung. „Schon klar. Du kannst nicht anders. Dein Neandertaler-Gen wurde aktiviert und lässt sich nun nicht mehr abschalten. Aber trotzdem MUSS ich noch immer ins Bad, also …“

„Oh, entschuldige bitte. Ich bin ein Idiot. Geh nur. Ich mach uns Kaffee. Wir haben noch …“, ein Blick auf seine Armbanduhr ließ Kaleb laut fluchen, „… fünf Minuten, dann steht Frank auf der Matte.“

Frank Lister war Kalebs Partner bei der Mordkommission des Tampa Police Departments und gleichzeitig sein bester Freund.

„Na, dann beeil dich mal. Frank wird knatschen, wenn er keinen Kaffee bekommt, so wie ich ihn kenne.“ Frank Lister war ein Bär von einem Mann, der mit seinen fast zwei Metern optisch abschreckend wirkte. Dabei war er eine Seele von einem Menschen und trotz seiner fünfundzwanzigjährigen Laufbahn als Polizist noch immer davon überzeugt, dass das Gute im Menschen nicht ausgestorben war. Claire mochte Frank und war froh, ihn an Kalebs Seite zu wissen, denn ihr Beruf war alles andere als ungefährlich. Ein Grund mehr, sich jeden Tag darüber zu freuen, ihrem alltäglichen Ritual, eine gemeinsame Tasse Kaffee vor Dienstbeginn, frönen zu können.

Lachend zog Kaleb sein getragenes Hemd an und schnüffelte daran. Er verzog das Gesicht. „Ich muss frische Klamotten anziehen“, sagte er wie zu sich selbst.

„Aber, aber. Weißt du nicht, wie anziehend und männlich du damit rüberkommst? Und du wirst deinem Neandertalerruf gerecht“, zog Claire ihn auf, bevor sie endgültig im Bad verschwand. Sie schloss die Badezimmertür und lehnte sich für einige Sekunden aufatmend dagegen. Feuchtwarme Schwaden waberten durch das Badezimmer und obwohl Kaleb das Fenster geöffnet hatte, war es schwül im Raum. Er hatte wieder nicht bemerkt, dass ihr Höhepunkt nur vorgespielt war – natürlich nicht, wie auch? Und wieder einmal mehr würde sie es alleine unter der Dusche zu Ende bringen. Es war wie verhext! Jedes verfluchte Mal ließ ihr Körper sie beim Sex auf halber Strecke im Stich. Claire fühlte sich nicht wohl dabei, Kaleb etwas vorzumachen, doch sie wollte ihn nicht enttäuschen. Dummerweise tat sie genau das, vor dem sie ihre Patientinnen warnte, denen sie stattdessen riet, offen und ehrlich mit ihrem Partner über ihre Ängste und das Unvermögen, sich gänzlich fallen lassen zu können, zu reden. Ihr war klar, wie völlig falsch sie sich Kaleb gegenüber verhielt und wie unfair es ihm gegenüber war, und dennoch brachte sie es nicht über sich, ihn damit zu konfrontieren, zumindest noch nicht. Seufzend stieß sie sich von der Wand ab und ging zur Toilette, um anschließend in die noch feuchte Nasszelle zu steigen. Sobald das warme Wasser auf sie niederprasselte, fühlte sie die bisherige Anspannung abfallen und jene sexuelle Energie in sich emporsteigen, die sie sich sehnlichst wünschte, mit Kaleb zu erleben. Sie stellte sich mit leicht gespreizten Beinen hin und nahm den Duschkopf aus der Halterung, um ihn ganz nah an ihrer Spalte zu platzieren. Die warmen Wasserstrahlen umspülten ihre Schamlippen und stimulierten ihre Klitoris auf eine ganz besondere Weise und wie immer fühlte es sich großartig an. Schnell und effizient baute sich die Erregung in ihr auf und sie würde nicht lange benötigen, um einen Orgasmus zu haben. Sie veränderte den Winkel der Strahlen minimal und biss sich keuchend auf die Lippen, als sie die optimale Dosierung des Wassers gefunden hatte. Nur wenige Sekunden später kam sie, zuckend und mit verhaltenem Stöhnen.

Ich liebe gute Geschichten und ich liebe es, zu schreiben! Dabei ist mir wichtig, Stimmungen und Gefühle zu erzeugen, euch dem Alltag zu entreißen und eure Gedanken davonzutragen.

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© Leocardia Sommer